Wir bekommen öfters die Frage gestellt, ob es normal ist, dass die gebrannte Glasur Risse zeigt und was man gegebenenfalls dagegen unternehmen kann.

Das Problem

Hierbei muss unterschieden werden, um welche Art der Keramik es sich handelt. Betrachten wir dicht gebrannte Keramik wie Steinzeug oder Porzellan, dann handelt es sich meist nur um ein optisches Problem, da ein dichter Scherben verhindert, dass z.B. eine Trinkflüssigkeit durch das Gefäß hindurch läuft. Anders sieht es bei einem porösen Steingutscherben aus. Entstehen in der gebrannten Glasur früher oder später Risse, so läuft die Trinkflüssigkeit immer durch den Scherben durch und die Reste sind folglich auf der Untertasse oder dem Tisch zu sehen!

Anpassung Wärmedehung Ton und Glasur

Dass grundsätzlich eine Glasur nach dem Ausräumen aus dem Brennofen Risse zeigt, liegt an dem unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten (WAK) von Ton und Glasur. Während des Brennprozesses ist bei der Endtemperatur die zähflüssige Glasur fest mit dem Scherben verbunden. Beim Abkühlen wird die Glasur hart und spröde. Wenn die Glasur einen höheren WAK als der Scherben besitzt, so führt dieses folglich zu Rissen in der Glasur. Manchmal existiert auch der umgekehrte Fall, dass die Glasur einen niedrigeren WAK als der Scherben aufweist. Dieses kann zu Abplatzungen der Glasur führen. Solche Fälle kommen in der Praxis aber meist weniger häufig vor, da eine Glasur eine bis um das zehnfache höhere Druckspannung als eine Zugspannung aushalten kann!

Der Rissbildung kann entgegen gesteuert werden, wenn die Wärmedehnung der Glasur reduziert wird. Zur Senkung der Wärmedehnung kann unsere WAK-Senkerfritte 1038 für glänzende Glasuren oder 1039 für matte Glasuren verwendet werden. Je nach Unterschied der Wärmedehnung von Scherben und Glasur (grobmaschiges Rissenetz = geringer Unterschied, feinmaschiges Rissenetz = hoher Unterschied) sind Zugabemengen zwischen 5% - 50% erforderlich. Bitte beachten Sie, dass mit steigender Zugabe Sie die chemische Zusammensetzung der Basisglasur ändern. Das Brennergebniss sollten Sie deshalb vorher immer erproben! Als Alternative zur Senkung der Wärmedehnung der Glasur wir manchmal auch die Erhöhung der Wärmedehnung des Scherbens verwendet. Dieses kann z.B durch Einkneten von Quarzmehl in die Tonmasse erfolgen. Dieser Prozess ist meist mit einem Zusatzaufwand verbunden und wird deshalb eher seltener durchgeführt (falls man seine Tonmasse nicht selber herstellt).

Auf den Ton kommt es an

Viele Kunden verwenden für den Niedrigbrand eine universelle Tonmasse, die einen weiten Brennbereich von 1000-1250°C aufweist. Im Niedrigbrand sind hierbei allerdings die Glasur und der Scherben nicht gut miteinander „verzahnt“. Es ist besser, wenn eine spezielle, kalkhaltige Steingutmasse verwendet wird z.B. Artikel 143 (schamottiert) oder 173 (unschamottiert). Diese fördert die sog. Zwischenschichtbildung (kristalline Verzahnung von Scherben und Glasur).

Bei Glasurrissen in porösem Steingut-Geschirr gibt es manchmal das Phänomen, dass die Keramik rissefrei aus dem Brennofen kommt und sich dennoch nach Tagen, Wochen oder Monaten ein grobmaschiges Craquelé-Netz bildet. In diesem Fall passt grundsätzlich die Wärmedehnung von Scherben und Glasur zusammen. Die Ursache hierfür liegt in der sogenannten Feuchtigkeitsquellung des Scherbens. Durch unglasierte Stellen (z.B. Fussboden) nimmt das Steingutgeschirr Feuchtigkeit beim Spülen oder durch die Luft mit auf. Dieses bewirkt, dass der Scherben sich minimal dehnt und mit der Zeit Risse bekommt. Deshalb wird empfohlen, Steingutgeschirr vollflächig zu glasieren (unter Verwendung von Dreispitzen mit geringer Auflagefläche z.B. 2917)).Die oben beschriebenen kalkhaltigen Steingutmassen weisen auch hier eine geringere Feuchtigkeitsdehnung als eine Universalmasse mit weitem Brennbereich auf!

Es gibt kein perfektes Steingut-Geschirr

Dennoch: Betrachtet man professionell hergestelltes Steingutgeschirr in einem Museum, dann wird man immer sehen, dass spätestens nach 10 Jahren Glasurrisse zum Vorschein kommen – egal wie gut die Fertigungstechnik ist! Dieses ist eine Eigenheit, die sich leider nicht völlig abstellen lässt. Alternativ bleibt nur die Herstellung von dichtem Steinzeuggeschirr übrig. Dieses wird klassisch zwischen 1200 – 1280°C gebrannt. Als Alternative liefern wir auch frühsinternde Steizeugmassen, bei denen Sie meist Ihre vorhandenen Steingutglasuren weiterhin verwenden können.

Manchmal sehen Glasurrisse auch recht dekorativ aus (z.B. bei unseren Craquelé-Glasuren). Werden Sie nach dem Brennen mit Tusche, starkem schwarzen Tee oder Braunstein eingefärbt, dann kommt das Rissenetz gezielt zum Vorschein. Aus funktioneller und vielleicht auch hygenischer Sicht ist dieses aber nicht für Gebrauchskeramik zu empfehlen.

Und wenn gar nichts mehr hilft, dann können Sie eine poröse Keramik mit einer gerissenen Glasur nachträglich mit unserem Dichtungsmittel 1128 abdichten.